Kulinarischer Abend in Gauangelloch
Gespannte Stille im vollbesetzten Saal des Edith-Stein-Hauses. Alles wartet gespannt auf die Worte von Pfarrer Lourdu. Er hebt an: „Hicks“.
Aber Herr Pfarrer, was war das? Ein Schluckauf! Gelächter! Peinlich! Wirklich peinlich?
Nein, es war eine Kostprobe seines komödiantischen Talentes, die neben vielen anderen Leckerbissen und Köstlichkeiten zum Gelingen des kulinarischen Abends von St. Peter Gauangelloch beitrug, der in diesem Jahr am 11.11 bereits zum fünften Male im Edith-Stein-Haus stattfand.
Aber der Reihe nach.
Geleitet von roten und grünen Lichterketten fand der erwartungsfrohe Gast die Treppe hinauf in das hell erleuchtete Foyer des Hauses und tauchte ein in die Schar der Besucher, die sich bereits an ihren Begrüßungsdrinks labten, Freunde und Bekannte begrüßten oder ihre Plätze an der liebevoll dekorierten Tafel suchten. Schon der Blick auf das exakt arrangierte Besteck weckte große Erwartungen an das Menü, was durch einen Blick in die Speisekarte bestätigt wurde.
Los ging es aber erst einmal mit Musik. Johannes Wegenkittl und Martin Ritz, bis dahin in Gauangelloch hauptsächlich als hervorragender Organist bekannt, hatten die Unterhaltung übernommen und begeisterten durch die Interpretation bekannter und beliebter Melodien an Klavier und Keyboard.
Pfarrer Lourdu ließ es sich nicht nehmen, die Gäste zu begrüßen. Mit beredten Worten gab er seiner Freude über dieses schöne Beisammensein Ausdruck und würdigte das Engagement des Küchenteams, das bereits bei der Vorbereitung des Abends wieder einmal sehr viel Arbeit investiert hat. Bei dieser Gelegenheit begrüßte er auch die vielen Damen und den einen Herrn des Serviceteams und stellte sie den Gästen namentlich vor, was diese mit einem kräftigen Applaus bedachten.
So eingestimmt meldete sich bei dem erwartungsfrohen Gast trotz angenehmer Gespräche am Tisch der Hunger. Ein kurzer Blick zur Tür zeigte, dass das Serviceteam bereits ausschwärmte, um den ersten Gang aufzutragen: Feine Kürbissuppe mit geräucherter Gänsebrust. Der erwartungsfrohe Gast schnupperte, nahm einen Löffel, schmeckte das angenehme Kürbisaroma und die feine, unaufdringliche Schärfe und begann sich zu verwandeln. Seine Wandlung vom erwartungsfrohen Gast zum frohen Gast setzte ein und wurde durch den nächsten Gang, einen herbstlichen Blattsalat mit Ziegenkäsebällchen, noch beschleunigt.
Zu berichten wäre natürlich noch über die kleine Gaumenfreude, mit der die Küche ihre Gäste überraschte, die ganz hervorragenden gratinierten Jakobsmuscheln, das Eiskonfekt, welches der jüngste Koch als Gruß aus der Küche kreiert hatte, bevor dann der Hauptgang serviert wurde.
Aber wurde denn nur gegessen? Das wäre doch nicht der kulinarische Abend, wie wir ihn kennen. Da wäre auch sicher mit der Verwandlung des erwartungsfrohen Gastes etwas schief gegangen. Nein, aufgelockert wurde die Speisenfolge nicht nur durch Musik, sondern auch durch einen vegetarischen Krimi als Hör(wort)spiel und durch Loriot-Sketche, bei denen das Publikum auch einbezogen wurde. Und da sind wir wieder beim Anfang. Pfarrer Lourdu übernahm in „Krawehl! Krawehl!“ die Rolle, die Loriot im Original spielt und ließ einen Schluckauf hören, der es mit dem Vorbild durchaus aufnehmen konnte. Der Badewannensketch mit Müller-Lüdenscheid (Wegenkittl) und Dr. Kloebner (Ritz) war dann der Großangriff auf die Lachmuskulatur.
Damit war wieder Platz geschaffen für Rinderfilet an Portweinsoße mit Kartoffel-Sellerie-Stampf. Ein zartes, saftiges Filet mit einer geschmacklich abgerundeten Soße katalysierte sozusagen die Verwandlung des Gastes. Und der Kartoffel-Sellerie-Stampf, darauf passte das Wortspiel aus dem vegetarischen Krimi: Sellerie – c’est la vie.
Noch ein Schnaps hinterher und der Nachtisch. Dann konnte Pfarrer Lourdu auch die Küchenmannschaft vor die Kulissen rufen, um ebenso wie dem Serviceteam den wohlverdienten Dank abzustatten und kleine Präsente zu überreichen. Der anhaltende Applaus der Gäste bestätigte: Das war ein sehr gutes Essen und ein wirklich aufmerksamer Service.
Mit Espresso, Johannes Wegenkittl, der beim Verlesen der Ansage zu „Die zwei Cousinen“ sich fast genau so schön verhaspelte wie die unvergessene Evelyn Hamann, und gemeinsamen Gesang neigte sich der Abend dem Ende zu. Als der Gast in „so schön, schön war die Zeit“ einstimmte, hatten sich seine Erwartungen erfüllt. Er war froh über die schönen Stunden an diesem Abend.
Beschwingt trat der frohe Gast seinen Heimweg an. Aber nach einigen hundert Metern stutzte er. Was war das? Neben der Freude machte sich schon wieder etwas Erwartung bemerkbar. Er verwandelte sich zurück. Oder vielleicht weiter? Egal wie, das Ergebnis war erfreulich: Erwartungsfroh dachte er an den kulinarischen Abend im nächsten Jahr.